​​​Parodontitis (Parodontose)

​Bei fortwährend schlechter Mundhygiene kann dein Immunsystem überfordert werden und aus einer Zahnfleischentzündung kann sich eine Parodontitis entwickeln.
Laut der aktuellen Deutschen Mundgesundheitsstudie leiden unter den 35-44-Jährigen mindestens 50 % an einer Parodontitis. Bei den 65-74-Jährigen sind es sogar über 65 %.

​​Was ist eine Parodontitis und welche Folgen hat sie?

​Eine Parodontitis beschreibt die Erkrankung des Zahnhalteapparates. Der Kieferknochen, in dem dein Zahn verankert ist, baut sich aufgrund einer fortbestehenden Entzündung ab. Zu weit fortgeschritten und unbehandelt führt eine Parodontitis zum Zahnverlust.
Aufgrund einer Parodontitis hat der durchschnittliche 65-74-jährige Deutsche bereits 11 Zähne verloren (von 28 Zähnen). Das beschreibt einen Verlust von 40 %.
Parodontitis ist der hauptsächliche Grund dafür, dass in Deutschland jährlich etwa 1,3 Millionen Zahnimplantate gesetzt werden.

​Wie entsteht eine Parodontitis?

​Eine Parodontitis beginnt mit einer simplen Zahnfleischentzündung, die durch Giftstoffe der in deinen Zahnbelägen lebenden (bösartigen) Bakterien ausgelöst wird. Falls Du – aufgrund mangelnder Mundhygiene – die Zahnfleischentzündung nicht eindämmst, geschieht folgendes:

Um jeden deiner Zähne herum befindet sich Zahnfleisch. Das Zahnfleisch liegt nicht bombenfest an deinem Zahn an. Sondern zwischen dem Zahnfleischrand und deinem Zahn befindet sich eine kleine Furche von 1-2mm (im gesunden Zustand) Tiefe, der sogenannte Sulcus.
Diese 1-2mm tiefe Furche ist durch Zahnbürste und Zwischenraumbürsten noch gut erreichbar und kann somit vom Zahnbelag befreit werden. Geschieht das nicht, breitet sich die fortschreitende Zahnfleischentzündung aus und die Furche wird im Ergebnis mehrere Millimeter tief.
Nun ist eine Zahnfleischtasche entstanden, in der sich ungestört bakterieller Zahnbelag ausbreiten kann. Die darin lebenden Bakterien sorgen für eine immer weiter fortschreitenden Entzündung. Im fortgeschrittenen Stadium reagiert dein Körper auf diese Entzündung mit dem Abbau des Kieferknochens, dadurch werden die Zähne gelockert und es entstehen Schwierigkeiten beim Kauen. Unbehandelt führt die Parodontitis zum Zahnverlust.

Was sind Anzeichen für eine Parodontitis und wie kann man sie erkennen?

Der Beginn einer Parodontitis ist für Betroffene schwer zu erkennen.

1.

​Zahnfleischbluten ist das erste Anzeichen einer Parodontitis, allerdings auch das einer vorgelagerten Zahnfleischentzündung.

2.

​Rötung (bis hin zur bläulichen Färbung) und Schwellung des Zahnfleischs sind weitere Anzeichen sowie unangenehmer Mundgeruch.

3.

​Lockere Zähne und Schwierigkeiten beim Kauen treten im fortgeschrittenen Stadium auf.

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Jedoch kann eine definitive Diagnose nur in einer Zahnarztpraxis erfolgen. Dabei werden folgende Untersuchungen durchgeführt:​

  1. Bei der Zahnfleischtaschenmessung wird mit einer Sonde die Tiefe der Zahnfleischtaschen und damit der Abbau des Kieferknochens gemessen. Ab einer Tiefe von mehr als 3,5 mm spricht man von einer Parodontitis.
  2. Röntgenbilder werden ebenfalls angefertigt, um die betroffenen Stellen genau zu diagnostizieren und den Knochenabbau zu dokumentieren.

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​Wie wird eine Parodontitis behandelt?

Grundsätzlich gilt, dass der Knochenabbau nicht rückgängig zu machen ist. Jede nun folgende Maßnahme dient dazu, weiteren Knochenabbau zu verhindern, die Entzündung zu stoppen und den Status Quo zu erhalten. Darum ist eine rechtzeitige Diagnose äußerst wichtig.
Was ist überhaupt eine Parodontitis-Behandlung in der Zahnarztpraxis und was kannst du zu Hause unternehmen?

​Die Behandlung in der Zahnarztpraxis ist abhängig vom Fortschritt der Parodontitis:

​Geschlossene Parodontits Behandlung

​Die Geschlossene Parodontitis-Behandlung beschreibt das Entfernen der bakteriellen Beläge
und des Zahnsteins in den Zahnfleischtaschen mit Spezialinstrumenten. Du kannst Dir das
vorstellen wie eine Zahnreinigung, nur nicht oberhalb des Zahnfleischs an der Zahnoberfläche, sondern unterhalb des Zahnfleischs an der Zahnwurzel-Oberfläche.

​Offene Parodontitis Behandlung

​Die Offene Parodontitis-Behandlung wird angewendet, wenn die Parodontitis und damit die
Taschentiefe weit fortgeschritten ist. In diesem Fall handelt es sich um einen chirurgischen Eingriff bei dem das Zahnfleisch aufgeklappt und dann die Zahnwurzel-Oberfläche in den Tiefen der Taschen von den bakteriellen Belägen und Zahnstein befreit und gesäubert werden.

​Die „Nachsorge“ des Patienten im Badezimmer umfasst folgendes:
Eine umfassende, tägliche Mundhygiene, um die Zahnoberflächen und Zahnfleischränder sauber zu halten. Dies umfasst die korrekte Anwendung von Zahnbürste, Zahnseide, Einbüschelbürste und Interdentalbürsten.
Nach ca. 4-6 Wochen wird das Resultat deiner häuslichen Mundpflege in der Zahnarztpraxis überprüft. Werden keine entzündlichen Stellen entdeckt, kann die Parodontitis als ausgeheilt angesehen werden. Danach sind regelmäßige Kontrollen und Reinigungstermine (UPT-unterstützende Parodontitis-Therapie) in der Zahnarztpraxis Pflicht.

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